WirvsVirus-Ergebnisse: 10 digitale Lösungen im Kampf gegen Corona

Im „#WirVsVirus“-Hackathon der Bundesregierung haben 28.000 TeilnehmerInnen rund 1500 digitale Lösungen im Kampf gegen COVID-19 entwickelt. Das-Solution-Enabler-Programm der Aktion unterstützt jetzt 130 Teams, damit diese ihre Lösungen schnell in die Umsetzung bringen.

Von Heiner Sieger

Als sich 43.000 Menschen sich für die Teilnahme am Hackathon WirvsVirus bewarben und mehr als 20.000 von ihnen dann in wenigen Tagen etwa 1.500 digitale Lösungen und Lösungsansätze für den Kampf gegen das Corona-Virus und die COVID-19-Erkrankung entwickelten, lautete unsere Frage: Wie wird aus „gut gemeint“ jetzt „gut gemacht“?

Die Initiative hat Antworten gefunden und sehr konkrete Schritte für die Unterstützung der Projekte auf dem Weg zur Umsetzung definiert. Auf diesem Weg sollen möglichst viele gute Ideen schnell wirksam werden.

Digitale Lösungen gegen das Corona-Virus
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Digitale Lösungen gegen das Corona-Virus

10 digitale Lösungen gegen Corona

10 der 130 Lösungsansätze haben wir uns angesehen und stellen sie näher vor:

1. Digitales Wartezimmer

Das Projekt der „Stubenhacker“ ermöglicht eine zentrale, skalierbare und selbstständige Registrierung von Patienten mit Verdacht auf Infizierung mit COVID-19. Erstmalige Benutzer beantworten wichtige Fragen zu ihrer Gesundheit sowie ihrer Person. Bei Bedarf werden auch genauere Fragen, etwa zu Fieberwerten gestellt, um ein möglichst präzises Krankheitsbild zu bekommen. Das System führt eine automatische Risikoeinschätzung durch und ordnet den NutzerInnen eine Priorität zu. Dabei setzt das System auf ständig aktualisierte wissenschaftliche Erkenntnisse des Robert-Koch-Instituts. Sind Kapazitäten frei, erhalten die NutzerInnen sofort einen Termin, andernfalls einen Termincode für das digitale Wartezimmer. Sobald das System einen freien Termin ermittelt, erfolgt die Benachrichtigung. Verdachtsfälle können so unnötig lange Wartezeiten vermeiden.

2. Sicher Test

Leben retten statt warten, so lautet das Motto des smarten Buchungssystems für Coronavirus-Tests. Der Patient kann dort Informationen vorab bereitstellen und so die Testzeit um bis zu 50 Prozent verkürzen. Das System erlaubt es, die Patienten auf alle möglichen nahegelegenen Teststellen zu verteilen. Es lässt sich per App, Telefon und Desktop benutzen und baut eine Brücke zwischen Online-Symptomtests, Telefon-Hotlines und Video-Doktor-Apps bin hin zu Behandlungen. Sicher Test ist zudem weltweit skalierbar. Hausärzte buchen nahegelegene Testtermine für ihre Patienten, um Warteschlangen zu vermeiden und die Ansteckungsgefahr bei Teststellen zu minimieren. Sie führen auch die Anamnese durch und teilen sie mit Teststellen, womit das medizinische Personal bis zu 80 Prozent Zeit sparen kann. Zuletzt werden Testergebnisse automatisiert versandt, um verzögerte Benachrichtigungen zu vermeiden.

3. Remedy Match

Die gemeinnützige Logistikplattform RemedyMatch bringt bundesweit den Bestand und Bedarf von medizinischen Schutzartikeln und Hilfsgütern zusammen. Wer über nicht selbst benötigte Schutzartikel verfügt, kann diese dort einstellen, so dass Suchende sie dort finden und bestellen können. Remedy Match integriert Logistikhelfer (Freiwillige, öffentliche Stellen, wie BW, THW, etc., Versand durch Dienstleister) und bietet in einer zukünftigen Version die Möglichkeit der zentralen Bestandsverwaltung durch Bund/Länder/Ämter (nach Vorgabe/Feedback). Noch in der Planung ist die Entwicklung von Prognosefunktionen um Empfehlungen für die Umverteilung von Schutzartikeln zu liefern (gem. Vorgabe von Ethikern/Bund/Ländern).

4. Colivery

Colivery ist die Entwicklung von 15 jungen Leuten mit einer gemeinsamen Idee: In Krisenzeiten werden schon die alltäglichsten Dinge zur Herausforderung. Darunter die Grundversorgung mit Lebensmitteln, Drogerieartikeln und rezeptfreien Medikamenten. Colivery bringt Menschen zusammen: Hilfesuchende teilen ihre Einkaufslisten per Telefon oder App mit der Community, etwa welches Brot von welchem Bäcker benötigt wird. Die Helfenden machen sich dann an die Besorgung. Am Ende liefern sie den Einkauf bis vor die Haustür – möglichst ohne direkten Kontakt und mit Mindestabstand. So werden unnötiger Kontakt vermieden, Mitmenschen geschützt und das Gesundheitssystem entlastet. Digitale Lösungen wie diese sind auch langfristig tragfähig, etwa zur Versorgung im ländlichen Raum, von älteren Menschen oder Menschen mit Behinderungen.

5. Wir bleiben liquide

Viele kleine und mittelständische Unternehmen sowie Selbstständige sind in ihrer wirtschaftlichen Existenz von der Corona-Krise bedroht. Hilfsprogramme gibt es zwar viele – aber welches ist das Geeignete? Die Website wir-bleiben-liquide.de bietet nach der Beantwortung von 7-10 Fragen einen schnellen, individualisierten Überblick über passende Finanzierungsinstrumente und unterstützt Unternehmen und Selbstständige bei der Vorbereitung der wesentlichen Unterlagen. Die Seite speichert für den gesamten Prozess keinerlei Daten, deckt aber inzwischen insgesamt schon mehr als 160 verschiedene Programme ab und wird täglich aktualisiert.

6. LabHive

Die digitale Plattform LabHive bündelt vorhandene Kräfte für mehr SARS-CoV-2 Tests und optimiert damit die vorhandenen Testkapazitäten. Dabei werden qualifizierte Arbeitskräfte und Forschungslabore mit den Diagnostikzentren zusammengebracht, was den Austausch und gegenseitige Unterstützung ermöglicht bzw. erleichtert. In vielen universitären und außeruniversitären Forschungslaboren ist durch die Corona-Krise der wissenschaftliche Betrieb eingeschränkt. Dadurch stehen zahlreiche Ressourcen, wie Personal, Reagenzien oder Laborgeräte zur Verfügung, die zu einer Steigerung der Testkapazitäten herangezogen werden können. LabHive wird dabei zum bislang fehlenden Koordinationsinstrument, um physische Ressourcen und freiwillige personelle Hilfsangebote schnell zu erfassen und bei Bedarf zu mobilisieren. „Wir bringen ungenutzte Puzzleteile zum großen Ganzen zusammen“ erklärt Dr. Tobias Opialla, Mitgründer von LabHive und Biochemiker am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin.

7. COVID-Report

Der Covid-Report versteht sich als eine sichere und einfach zu bedienende Plattform, welche die Kommunikation bezüglich des Testprozesses für alle Beteiligten (PatientInnen, Labor, medizinisches Personal) erleichtert. Patienten können dort den Status eines Tests nachvollziehbar verfolgen und das Ergebnis kann teilautomatisiert kommuniziert werden. Die Informationen auf der Plattform sind durch ein kryptographisches Anonymisierungsverfahren (Hash – SHA256) sicher dargestellt und nur mittels persönlichem Zugangsschlüssel einsehbar. Die Lösung ist modular aufgebaut und kann entsprechend flexibel an verschiedene Testzentren und deren IT Strukturen angepasst werden. Die digitale Lösung wurde so entwickelt, dass die Teststellen ihre medizinischen Prozesse nicht anpassen müssen und Daten schnell an die Plattform übertragen werden können.

8. KapaMonitor

Leitstellen und andere Verantwortliche haben mit DIVI bereits eine Übersicht über intensivmedizinische Kapazitäten im Bundesgebiet. KapaMonitor ergänzt die bestehende Übersicht der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) in Bezug auf die Auslastung der Krankenhäuser (Betten + Ressourcen) um weitere alternative Kapazitäten in Hotels, Turnhallen oder andere geeignete Einrichtungen. Leitstellen steht damit eine Plattform zur Verfügung, auf der sie ihren Bedarf an benötigten Ressourcen (z.B. Betten, Personal, Geräte, etc.) angeben, und auf der sie Angebote finden können. Gleichzeitig dient die operative Plattform als Datenquelle für mittelfristige Kapazitätsprognosen und -engpässe. Anbieter von Ressourcen können zudem den Bedarf der Leitstellen sichten.

9. PANDOA

Hans Elstner, Chef der Jenaer IT-Firma rooom AG verfolgt mit seiner Corona-Tracing-App „Pandoa“ ein Hauptziel der Bundesregierung: die Aufzeichnung von Bewegungsdaten via Smartphone, allerdings über GPS statt über Bluetooth. Diese Daten werden lokal auf dem Smartphone gespeichert, ohne sie weiterzugeben. Sollte der Nutzer erkranken, stellt er selbst seine historischen Aufenthaltsorte – vor allem Stellen, an denen er länger verweilte – und seine historischen Gesundheitsdaten in anonymisierter Form zur Verfügung. Auch bei Pandoa gilt: Der Nutzer muss eine Infektion in die App eintragen und seine Daten dann einmalig freigeben. Was der Nutzer nicht weiß und aus Datenschutzgründen auch nicht wissen soll: wo und wann er wem begegnet ist. Einzig die Region, also eine Stadt oder ein Dorf, können aus den Daten ausgelesen werden. So könnten Forscher schnell Corona-Hotspots identifizieren. Das geht mit Bluetooth nicht. Dafür gerät die GPS-Methode in Sachen Genauigkeit an ihre Grenzen. Mehr als zwei bis drei Meter sind nicht drin. Elstner plant daher für Pandoa eine Koppelung von GPS und Bluetooth, um das Beste aus beiden Welten zu verbinden.

10. KlinikHero

KlinikHero vernetzt in weniger als zwei Minuten Helfer mit Kliniken oder Kliniken mit Helfenden. Die Plattform steht für die Vermittlung von Menschen ohne medizinische Qualifikation, tätigkeitsbezogen und mit einer Klinik im gewählten Umkreis. Jede/r soll jetzt im Akutfall helfen können, um klinische Einrichtungen zu entlasten. Digitale Lösungen wie diese bieten Laien die Chance, leicht und unkompliziert das medizinische Personal zu unterstützen. Das bedeutet zum Beispiel Taxifahrer für Transportdienste zu gewinnen oder Studierende in der Lagerhaltung einzusetzen. Verschiedene Kategorien ermöglichen eine Auswahl der Einsatzmöglichkeiten.

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