Vom Stammdatenab­gleich zur Patienten­akte – der Plan zur Einführung der TI-Anwendungen im Überblick

Auf dem Weg zur Elektronischen Patientenakte (ePA) werden im Laufe des Jahres 2020 mehrere Anwendungen für die Telematikinfrastruktur (TI) eingeführt.

Einführung der Anwendungen für die Telematikinfrastruktur
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Einführung der Anwendungen für die Telematikinfrastruktur

Die konsequente Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens durch die Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI) und die anschließende Einführung verschiedener TI-Anwendungen ist ein Stück in drei Akten.

Theoretisch läuft die Anbindung medizinischer Einrichtungen an die Telematikinfrastruktur (TI) seit 2017, praktisch hat sie 2018 erst so richtig Fahrt aufgenommen. Im Jahr 2020 soll sie nach dem Willen von Gesetzgeber und Gematik flächendeckend umgesetzt sein, um weitere TI-Anwendungen einführen zu können. Denn zum Jahresbeginn 2021 sollen auch Patienten* in den Datenaustausch einbezogen werden – über die bis dahin zu etablierenden Zugriffsmöglichkeiten auf die elektronische Patientenakte (ePA).

Wie aber sieht der Fahrplan genau aus? Wie geht es weiter, wenn die Konnektoren konnektiert, die Kartenterminals ausgetauscht und die Prozesse für das laufende Versicherungsstammdatenmanagement etabliert sind? Dieser Beitrag gibt einen Überblick über den Stand der TI-Anwendungen.

Prolog: Die elektronische Gesundheitskarte und die darauf gespeicherten Versichertenstammdaten (VSD)

Auf jeder elektronischen Gesundheitskarte waren schon in der Vergangenheit die sogenannten Versichertenstammdaten gespeichert – das sind folgende Informationen:

Versichertenstammdaten auf der Elektronischen Gesundheitskarte
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Versichertenstammdaten auf der Elektronischen Gesundheitskarte

Bis zur Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI) wurden die Stammdaten von dieser Karte in der Praxis ausschließlich abgerufen. Änderungen dieser Daten – beispielsweise nach einem Umzug eines Patienten oder einer Patientin – mussten der Versicherung gemeldet werden, damit diese dann eine neue Karte ausstellt und zuschickt. Eine Aktualisierung der Daten auf der Karte war nicht möglich.

 1. Akt – seit Sommer 2017: Anbindung aller medizinischen Einrichtungen an die Telematikinfrastruktur (TI) und Einführung des Versichertenstammdatenmanagements (VSDM) als erste TI-Anwendung

Versichertenstammdatenmanagement (VSDM)

Das Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) ist das Pilotprojekt der Telematikinfrastruktur. Nach der Anbindung an die TI – also der Einbindung der TI-Konnektoren und dem Austausch aller Kartenlesegeräte – werden die auf der Karte gespeicherten Stammdaten beim Einlesen in der medizinischen Einrichtung an das Rechenzentrum der Krankenkasse übermittelt und mit den dort vorliegenden Informationen verglichen.

Vorteile des Versichertenstammdatenmanagements

Vorteile ergeben sich in erster Linie für die Krankenkassen. Liegen in den dortigen Rechenzentren aktuellere Informationen vor, können die Daten auf der Karte aktualisiert werden. Für die Kassen entfällt damit die Notwendigkeit der Produktion und des Versands neuer Karten.

Voraussetzung für den Datenaustausch ist der Anschluss an die Telematikinfrastruktur, der mit technischem und organisatorischen Aufwand verbunden ist. Diese Bemühungen schaffen – auch wenn sie zunächst als reine Belastungen wahrgenommen werden – die Grundlage dafür, dass Leistungserbringer und Patienten von den Vorteilen der TI-Anwendungen profitieren können, die auf das VSDM noch folgen werden.

Versichertenstammdatenmanagement (VSDM)
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Versichertenstammdatenmanagement (VSDM)

Sichere Übertragung der Versichertenstammdaten aus dem Rechenzentrum der Versicherung auf die elektronische Gesundheitskarte. Anschließend erfolgt die Übernahme in das Praxisverwaltungssystem (PVS).

Welchen Status hat die VSDM-Einführung?

VSDM-Einführung in den Praxen
  • Niedergelassene Ärzte sollten eigentlich schon Mitte 2018 an die TI angeschlossen sein und dies über den ersten vollzogenen Versichertenstammdatenabgleich nachweisen. Denn ein solcher Abgleich ist nur nach der TI-Anbindung mit neuen Kartenterminals und Konnektoren möglich.
  • Die Anbindungsfrist wurde mehrfach verschoben: zunächst auf den 31.12.2018, später auf den 30.06.2019.
  • Grund für die Verschiebungen waren Lieferschwierigkeiten der IT-Lieferanten. Bis ins vierte Quartal 2018 hinein gab es nur einen Lieferanten für Konnektoren, der die Zulassung der Gematik vorweisen konnte.
  • Um dem TI-Anbindungsprozess Tempo und Nachdruck zu verleihen, wurde die Einführungsfrist für Ärzte mit einer Sanktionsdrohung (Abzug von 1 Prozent der Erstattungssumme bei der Leistungsabrechnung) verbunden. Das am 01.01.2020 in Kraft getretene Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation (Digitale Versorgung-Gesetz – DVG oder auch E-Health Gesetz II) sieht ab März 2020 sogar eine Honorarkürzung von 2,5 Prozent vor.
  • Diese Drohung galt für alle niedergelassenen Ärzte, die nicht bis zum 30.06.2019 angebunden waren oder nachweisen konnten, ihre Gerätebestellung bis zum 30.03.2019 aufgegeben zu haben.
  • Die Kosten für TI-Ausstattung und den TI-Betrieb werden den Praxisinhabern und -inhaberinnen nach festgelegten Pauschalen erstattet.
TI-Anbindung von Kliniken
  • Das „Digitale-Versorgung-Gesetz“ (DVG bzw. E-Health Gesetz II, s.o.) vom 01.01.2020 sieht für Krankenhäuser eine Frist bis zum 01.01.2021 vor.
  • Der Druck für Kliniken ergibt sich allerdings auch ohne gesetzliche Pflicht aus technischen Veränderungen:
    • Nur neue, TI-fähige Kartenlesegeräte ermöglichen die Nutzung der ab 2019 sukzessive zur Einführung vorgesehenen Anwendungen der Telematikinfrastruktur und der damit verbundenen Vorteile.
    • Nur die neuen Kartenterminals sind in der Lage, sowohl die alte Krankenversichertenkarte (KVK) als auch die neue Elektronische Gesundheitskarte auszulesen.
  • Handlungsbedarf bereits im ersten Quartal 2019 ergab sich für Kliniken nur in den Bereichen, in denen sie – z.B. über Ambulanzen und MVZ – bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) abrechnen. (Lesen Sie dazu auch: Krankenhaus der zwei Geschwindigkeiten? – Was der 31. März 2019 für die TI-Anbindung von Kliniken bedeutet)
TI-Anbindung von Apotheken
  • Das oben angesprochene „Digitale-Versorgung-Gesetz“ (DVG bzw. E-Health Gesetz II) hält auch für Apotheken eine Frist zur TI-Anbindung bereit: den 30. September 2020.
  • Die Anbindung sämtlicher Akteure und Leistungserbringer im Gesundheitswesen ist nur logisch und konsequent. Ohne die Apotheken sind Anwendungen wie das E-Rezept oder der elektronische Medikationsplan nicht sinnvoll umsetzbar.

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  2. Akt – 2019 bis 2020: Einführung weiterer TI-Anwendungen

Im Jahr 2020 ist die Einführung weiterer TI-Anwendungen vorgesehen, bevor zum 01.01.2021 alle Akteure im Gesundheitswesen dazu verpflichtet sind, die Nutzung der elektronischen Patientenakte (ePA) für die Patienten und Patientinnen zu ermöglichen.

Für den Hinterkopf: Als Planungsdatum für die elektronische Patientenakte ist der 1. Januar 2021 eher irreführend. Denn alle Voraussetzungen auf Seiten der Leistungserbringer müssen bereits bis zum Ende des Jahres 2020 geschaffen werden.

Um den Einführungsprozess der geplanten Anwendungen zu beschleunigen, wurde ein sogenanntes „marktoffenes Zulassungsverfahren“ eingeführt. Nach diesem Verfahren legt die Gematik die erforderlichen Spezifikationen und Zulassungsvoraussetzungen fest. Gemäß dieser Spezifikationen kann die Industrie Anwendungen entwickeln und bei der Gematik einreichen.

Und das sind die TI-Anwendungen, die noch vor der elektronischen Patientenakte eingeführt werden sollen:

2.1 Qualifizierte elektronische Signatur (QES)

Eine Anwendung, die für alle weiteren relevant sein wird, ist die qualifizierte elektronische Signatur (QES). Sie übernimmt im Rahmen des digitalen Informationsaustauschs die Funktion einer rechtssicheren Unterschrift. Die QES dient gleichzeitig der Verschlüsselung von medizinischen Dokumenten zum Schutz vor unberechtigter Einsichtnahme.

Diesen Einsatzzwecken entsprechend gelten für die qualifizierte elektronische Signatur die strengsten Auflagen, die im § 2 des ehemaligen Signaturgesetzes (SigG) für verschiedene Arten elektronischer Signaturen (z.B. einfache Signaturen, fortgeschrittene Signaturen) vorgesehen waren. Heute gilt die eIDAS-Verordnung bzw. das deutsche eIDAS-Durchführungsgesetz.

Qualifizierte elektronische Signatur (QES)
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Die wichtigsten Sicherheitsanforderungen

  1. Eindeutige Identifizierung des Inhabers bzw. der Inhaberin der Unterschrift
    Die Signatur ist ausschließlich dem Signaturschlüssel-Inhaber oder der Inhaberin zugeordnet und ermöglicht dadurch eine eindeutige Identifizierung. Dies geschieht durch ein qualifiziertes Zertifikat und einen Zeitstempel.
  2. Transparenz über nachträgliche Änderungen
    Zudem ist die Signatur mit den Daten, auf die sie sich bezieht – zum Beispiel Medikationsdaten – so verknüpft, dass nachträgliche Veränderungen der Daten erkannt werden können.
  3. Nutzung einer Signaturerstellungseinheit (SSEE)
    Die Signatur wird mithilfe des neuen TI-fähigen Kartenlesegerätes erstellt, das als sogenannte Signaturerstellungseinheit (SSEE) fungiert.

Werden alle gesetzlich festgeschriebenen Anforderungen erfüllt, ersetzt die qualifizierte elektronische Signatur die schriftliche Signatur auf Papier.

Vorteile der qualifizierten elektronische Signatur

Der Vorteil für Behandelnde genauso wie für Behandelte: Mit der QES wird eine wichtige Voraussetzung für die sichere Verwendung und Übertragung medizinischer Daten – im Notfall, in der Praxis oder in der Apotheke – geschaffen. Die QES wird integraler Bestandteil aller weiteren TI-Anwendungen.

Welchen Status hat die Einführung der qualifizierten elektronischen Unterschrift?

  • Der aktuell erhältliche Konnektor ermöglicht bereits die Erstellung und Prüfung qualifizierter elektronischer Signaturen.
  • Die Gematik hat hierzu bereits unter der eIDAS-Verordnung eine Reihe von Signaturrichttlinien definiert. Diese beinhalten zum Beispiel Vorgaben zu Dokumententypkonformität, Schnittstellen sowie Verifizierung durch vordefinierte Parameter.
  • Um die QES nutzen zu können, wird der elektronische Heilberufsausweis (eHBA) für alle Ärzte und Ärztinnen zur Signatur der Arztbriefe gemäß § 291f SGB V benötigt. Die Anschaffung des elektronischen Heilberufsausweis ist (Stand Mai 2019) jedoch noch optional.

2.2 Notfalldatenmanagement (NFDM)

Das Notfalldatenmanagement gehört (gemeinsam mit dem elektronischen Medikationsplan) zu den ersten medizinischen Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte. Das Notfalldatenmanagement ist eine freiwillige Anwendung, über die es in Zukunft möglich sein wird, notfallrelevante Daten von Patientinnen und Patienten wie Medikation und Diagnosen auf der elektronischen Gesundheitskarte zu speichern.

Zusätzlich können „Persönliche Erklärungen“ wie Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht oder die Organspende-Erklärung auf der eGK abgelegt werden. Im Notfall ist zum Auslesen keine PIN-Eingabe nötig. Für den Zugriff ist allerdings der Heilberufsausweis (HBA) erforderlich. Folgende Informationen können gespeichert werden:

Notfalldatenmanagement (NFDM)
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Notfalldatenmanagement (NFDM)

Vorteile des Notfalldatenmanagements (NFDM) für Ärzte, Notfallteams und Patienten

Bei Notarzteinsätzen kann die präklinische Versorgung durch den Rettungsdienst auf Grundlage der abgerufenen Notfalldaten erfolgen. Auch bei einer ungeplanten Patientenaufnahme in der Notaufnahme eines Krankenhauses oder einer ungeplanten Notfallversorgung im ambulanten Versorgungssektor können die gespeicherten Notfalldaten Diagnosen beschleunigen, Fehlbehandlungen und medikationen verhindern und so letztlich Leben retten.

Patientinnen und Patienten werden nicht nur besser behandelt, sie können sich zudem darauf verlassen, dass ihre persönlichen Wünsche auch im Notfall eingehalten und Angehörige informiert werden.

Für die Anschaffung und Installation der benötigten Software sowie für die Kosten, die für den Betrieb anfallen, sollen Ärzte und Ärztinnen vergütet werden.

Welchen Status hat das Notfalldatenmanagement (NFDM)?

  • Die technischen und organisatorischen Eckpunkte des Notfalldatenmanagements stehen fest. Die aktuelle Gematik-Spezifikation (Fassung 1.4) wurde im Oktober 2018 veröffentlicht.
  • Nach aktuellem Stand (März 2020) soll die Einführung der Notfalldatenspeicherung im 2. Quartal des Jahres 2020 realisiert werden, Feldtests dafür laufen bereits.

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2.3. Elektronischer Medikationsplan (eMP)

Bereits seit Oktober 2016 haben Patientinnen und Patienten Anspruch auf einen sogenannten bundeseinheitlichen Medikationsplan. Dieser enthält sämtliche verschreibungspflichtigen Medikamente, die der- oder diejenige einnimmt, samt Wirkstoff, Dosierung, Einnahmegrund und sonstigen Hinweisen zur Einnahme.

Zusätzlich werden Medikamente aufgeführt, die die Person im Rahmen der „Selbstmedikation“ einnimmt. Den bundeseinheitlichen Medikationsplan gibt es in Papierform. Auf dem Papier ist zusätzlich ein Barcode gedruckt, der die Informationen in digitaler Form enthält und durch Ärzte und Ärztinnen wie auch Apothekerinnen und Apotheker gelesen und aktualisiert werden kann.

Elektronischer Medikationsplan (eMP)
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Der elektronische Medikationsplan ist dementsprechend die digitale Weiterentwicklung eines bereits vorhandenen Konzepts. Die gleichen Informationen sollen in Zukunft auf dem Chip der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) gespeichert werden. Die elektronische Speicherung des Medikationsplans auf der eGK ist freiwillig – der Anspruch auf einen Medikationsplan in Papierform besteht weiterhin.

Während jedoch bisher die Hausärztin oder der für die Koordination der Medikation verantwortliche Facharzt für die Aktualisierung des Medikationsplans zuständig war, werden nach der Einführung des elektronischen Medikationsplans auch andere Fachärztinnen oder Apotheker zur Aktualisierung der Daten verpflichtet sein – jedenfalls dann, wenn der Patient oder die Patientin den Zugriff gewährt.

Vorteile des elektronischen Medikationsplans (eMP)

Der Nutzen für Patientinnen und Patienten lässt sich aus den Vorteilen des bereits existierenden bundeseinheitlichen Medikationsplans ableiten: Es können schädliche Wechselwirkungen vermieden werden. Mediziner in Kliniken, Hausärztinnen, Fachärzte oder Apothekerinnen können auf einen Blick sehen, welche Medikamente in welcher Dosis verordnet wurden.

Die Gefahr von Falschinformationen verringert sich, da sich Ärztinnen und Apotheker nicht mehr auf die Erinnerung des Patienten verlassen müssen. Gerade bei der Einnahme mehrerer Medikamente oder bei erhöhter Vergesslichkeit kann es sonst schnell zu Fehleinnahmen oder Doppelmedikation kommen.

Ähnlich wie beim Notfalldatenmanagement ermöglicht die digitale Speicherung der Medikationsdaten in Notfällen sofort einen Überblick über die Einnahme von Medikamenten, ohne zunächst den Hausarzt oder die Hausärztin kontaktieren zu müssen. Durch die Speicherung des Medikationsplans auf der eGK sind die Daten bei jedem Arzt- oder Apothekenbesuch sowie in Notfällen verfügbar.

Welchen Status hat der elektronische Medikationsplan?

  • Seit Oktober 2016 haben Patientinnen und Patienten unter bestimmten Voraussetzungen einen Anspruch auf einen Medikationsplan, der seit August 2017 bundeseinheitlich sein muss – diesen gibt es bisher nur auf Papier.
  • Nach aktuellem Stand (März 2020) soll die Einführung des elektronischen Medikationsplans ab dem 2. Quartal des Jahres 2020 realisiert werden, Feldtests dafür laufen bereits.

2.4 Kommunikation im Medizinwesen (KIM, ehem. KOM-LE)

KIM wird die sichere digitale Kommunikation der Leistungserbringer und Leistungserbringerinnen untereinander sowie mit Institutionen des Gesundheitswesens ermöglichen. Die Nutzung dieses Kommunikationsweges ist freiwillig. Auch Arztbriefe, Entlassungsbriefe, Befunde und Untersuchungsergebnisse wie Röntgenbilder sollen darüber digital verschickt werden können. Betroffene Patienten und Patientinnen müssen in diesem Fall stets zustimmen. Sensible medizinische Dokumente bedürfen immer einer Verifizierung mittels Unterschrift – auch online.

Um KIM nutzen zu können, brauchen Ärztinnen sowie andere Leistungserbringer einen Heilberufsausweis und müssen sich bei einem von der Gematik zugelassenen KIM-Anbieter registrieren. Nach den Spezifikationen der Gematik wird jeder KIM-Dienst in das bestehende Praxisverwaltungs- beziehungsweise Krankenhausinformationssystem integriert. Dies vereinfacht den Austausch von Daten, da diese direkt aus dem gewohnten System versandt und empfangen werden können. KIM ermöglicht so den sicheren Austausch von E-Mails und Dokumenten innerhalb der Telematikinfrastruktur.

Kommunikation im Medizinwesen (KIM)
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Kommunikation im Medizinwesen (KIM)

Vorteile der sicheren Kommunikation zwischen den Leistungserbringern

KIM bringt einiges an Vorteilen mit sich. Durch den vereinfachten intersektionalen Informationsaustausch wird sich in der Praxis der Alltag aller Beteiligten erleichtern. Durch die Ende-zu-Ende Verschlüsselung der versandten Daten sowie die elektronische Signatur sind Authentizität und Sicherheit der medizinischen Daten sichergestellt.

Gerade bei zeitkritischen Informationen läuft die Übertragung von Daten über den digitalen Weg deutlich schneller ab als auf dem Postweg oder durch persönliche Überbringung durch den Patienten oder die Patientin. Um das Ausmaß zu verdeutlichen: Mithilfe der verschlüsselten Kommunikation könnten in Zukunft die jährlich circa 150 Millionen verfassten Arztbriefe digital verschickt werden.

Welchen Status hat KIM/KOM-LE?

  • Die Spezifikationen für das „Sichere Übermittlungsverfahren (KOM-LE) samt der Produkttypen „Fachdienst KOM-LE“ und „Clientmodul“ KOM-LE hat die Gematik im Mai 2018 festgelegt und veröffentlicht. Das Dokumentenpaket für den Online-Produktivbetrieb bildet die Grundlage der laufenden und anstehenden Zulassungsverfahren.
  • Gleichzeitig stellte die Gematik das Feldtestkonzept KOM-LE vor.
  • Im März 2020 benannte die Gematik die Anwendung KOM-LE in KIM (Kommunikation im Medizinwesen) um.
  • Es ist vorgesehen, dass potentielle KIM-Anbieter zunächst von der Gematik zugelassen werden, um ihr Produkt dann in einem Feldtest mit 50 Leistungserbringerinstituten für Praxen, einem Krankenhaus oder vier Kassenzahnärztlichen Vereinigungen unter Beweis zu stellen.
  • Nach aktuellem Stand (April 2020) wird KIM in der 2. Jahreshälfte 2020 eingeführt, derzeit starten erste Feldtests.

Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) als wichtiger KIM-Baustein

Ein wichtiger Baustein des KIM-Anwendungspakets ist die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU).

Wenn ein Arbeitnehmer erkrankt ist und daher nicht seine Arbeitsleistung erbringen kann, ist er verpflichtet, seinem Arbeitgeber im Normalfall spätestens am 4. Tag nach Beginn der Erkrankung eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU-Bescheinigung) vorzulegen, die von einem Arzt ausgestellt ist. Bisher wird in diesem Fall maschinell eine Papierbescheinigung in mehrfacher Ausfertigung erstellt. Diese muss der Versicherte seinem Arbeitgeber vorlegen und per Post an seine Krankenkasse schicken.

All das kostet viel Geld und Zeit, wie der GKV-Spitzenverband im Jahr 2017 errechnete (veröffentlicht im Bürokratieentlastungsgesetz III). Auf Grundlage des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) und des Bürokratieentlastungsgesetzes III, die beide im Jahr 2019 in Kraft traten, soll die Bescheinigung in Zukunft sowohl an die Krankenkasse als auch an den Arbeitgeber digital übermittelt werden.

Der Ablauf sähe dann folgendermaßen aus:

  • Der Versicherte meldet sich telefonisch bei seinem Arbeitgeber krank und sucht einen Vertragsarzt auf.
  • Der Vertragsarzt erstellt die eAU digital in seinem Praxisverwaltungssystem und sendet die Daten dann über die Telematikinfrastruktur sicher an die betreffende Krankenkasse.
  • Die Krankenkasse verarbeitet die Daten des Versicherten in ihrem Verwaltungssystem.
  • Auf Anfrage des Arbeitgebers leitet die Kasse die Informationen zu Beginn und Dauer der Arbeitsunfähigkeit – und ohne Diagnosedaten – an diesen weiter.
  • Der Versicherte erhält vorerst noch als Nachweis einen Papierausdruck, dieser soll jedoch ebenfalls abgeschafft werden, sobald ein elektronisches Äquivalent mit gleichem Beweiswert zur Verfügung steht.

Die Vorteile der digitalen AU-Bescheinigung liegen auf der Hand:

  • Die Daten des Versicherten können wesentlich schneller und sicherer an Krankenkasse und Arbeitgeber übermittelt werden.
  • Der Versicherte muss keine Papierbescheinigung mehr an Arbeitgeber und Krankenkasse schicken.
  • Medienbrüche – z.B. maschinell erstellte Bescheinigung wird ausgedruckt und später wieder eingescannt – werden vermieden und damit können Zeit und Geld gespart werden.

Voraussetzung für die digitale Übermittlung der eAU an die Krankenkasse ist die Anbindung der ausstellenden Arztpraxis an die Telematikinfrastruktur. Diese elektronische Übermittlung der AU ist laut Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) ab dem 01.01.2021 für Ärzte verpflichtend. Sie sind außerdem verpflichtet, die Bescheinigung dem Patienten als Ausdruck oder digital zur Verfügung zu stellen.

Die elektronische Übermittlung der Daten zur Arbeitsunfähigkeit von der Krankenkasse an den Arbeitgeber ist laut dem 3. Gesetz zur Bürokratieentlastung ab dem 01.01.2022 verpflichtend. Der Arbeitgeber ruft dabei einen entsprechenden Datensatz ab, den die Krankenkasse für ihn zu der Arbeitsunfähigkeitsmeldung erstellt.

2.5 Elektronisches Rezept (E-Rezept)

Elektronisches Rezept (E-Rezept)
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Vorteile des E-Rezepts

Das elektronische Rezept wird es ermöglichen, dass Menschen nicht im Wartezimmer einer Praxis platznehmen müssen, nur um ein Rezept abzuholen, um dann zur Apotheke zu gehen. Wenn mit der Telemedizin künftig Ferndiagnosen per Videosprechstunde möglich werden, muss auch ein Rezept digital ausstell- und versendbar sein.

Was ist der Status mit Blick auf die Fernverschreibung?

3. Akt – bis 2021: Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA)

Spätestens bis zum 01.01.2021 müssen alle privaten und gesetzlichen Kassen, ihren Versicherten eine elektronische Patientenakte (ePA) anbieten. Diese Akte ist eine sektorenübergreifende digitale Dokumentensammlung unter der Kontrolle der Versicherten. Während die Informationen der Krankenakten bislang hauptsächlich in der Obhut der Arztpraxen, Krankenhäuser und Krankenversicherungen lagen, sollen nun die Versicherten selbst in die Lage versetzt werden, den Überblick und die Kontrolle über die eigene Akte zu bekommen.

Elektronische Patientenakte (ePA)
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Wenn von der oder dem Versicherten gewünscht, kann die Erkrankungs- und Behandlungshistorie sowie die persönlichen Erklärungen eines ganzen Lebens in der ePA dokumentiert werden. Jede Patientin und jeder Patient hat selbst die Entscheidungshoheit darüber, was in die eigene Patientenakte aufgenommen werden soll und welche Institutionen sich die Inhalte zu welchem Zweck nutzbar machen dürfen. In einem Primärspeicher können die Versicherten zudem eigene Daten – zum Beispiel die von Wearables erhobenen Vitalitäts- und Fitnessdaten – ergänzen und dem medizinischen Personal zur Verfügung stellen.

Die Versicherten werden zwischen den Akten verschiedener Anbieter wählen können. Um die Einheitlichkeit und Interoperabilität zu gewährleisten, müssen die Anbieter klare Auflagen erfüllen und ein Zertifikationsverfahren durchlaufen.

Anders als die zuvor vorgestellten medizinischen Anwendungen des Notfalldatenmanagements oder des elektronischen Medikationsplans sollen die Daten der elektronischen Patientenakte nicht auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden, sondern auf einem Server des vom Patienten oder der Patientin gewählten Betreibers liegen.

Auf diese Daten lässt sich dann ausschließlich mit der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) und dem Heilberufsausweis (eHBA) zugreifen. Ärzte und Ärztinnen können nur nach eindeutiger Bestätigung durch den Patienten oder die Patientin auf die Akte zugreifen – ein Zugriff durch den Betreiber soll damit ausgeschlossen sein.

Einige Krankenkassen haben bereits begonnen, ihren Versicherten Vorläufermodelle für die Patientenakte anzubieten. Da die Gematik die Spezifikationen allerdings erst Ende des Jahres 2018 veröffentlicht hat, sind diese Vorläufer noch nicht offiziell zugelassen und deren Einhaltung der Anforderungen an Datensicherheit, definierte Formate und Interoperabilität ist nicht gesichert.

Vorteile der elektronischen Patientenakte

Die Vorteile der elektronischen Gesundheitsakte sind sowohl auf Patientenseite als auch für Leistungserbringer zahlreich. Eingespeiste Daten lassen sich automatisch aktualisieren, so dass alle behandelnden und berechtigten Ärztinnen und Ärzte sowie die Patientinnen und Patienten selbst zu jeder Zeit Zugriff auf aktuellste Informationen haben.

Diese sektoren- und fallübergreifende Dokumentation ermöglicht eine lückenlose Behandlungshistorie, die Doppeluntersuchungen vermeiden hilft, Zeit spart und im Idealfall den Behandlungsprozess von der Diagnose bis zur Therapie verbessert.

Welchen Status hat die elektronische Patientenakte?

  • Krankenkassen müssen ihren Versicherten bis spätestens zum 01.01.2021 eine elektronische Patientenakte anbieten.
  • Ende des Jahres 2018 hat die Gematik die Spezifikationen für die elektronische Patientenakte veröffentlicht.
  • Bereits zuvor haben sich Krankenkassen zusammengeschlossen und Anwendungen auf den Markt gebracht, die jedoch nun an die Spezifikationen der Gematik angepasst werden müssen.
  • ePA-Anwendungen müssen jetzt genau wie ihre Schwesteranwendungen zunächst die technischen wie organisatorischen Bedingungen der Gematik erfüllen, um für einen Feldtest zugelassen zu werden.

* Wir verwenden die männlichen und weiblichen Berufs- und Rollenbeschreibungen abwechselnd, damit beide Geschlechter auch in der angewandten Sprache gleichsam sichtbar werden. Unsere Gründe dafür haben wir hier näher ausgeführt.

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