Vom Stammdatenabgleich zur Patientenakte – der Plan zur Einführung der TI-Anwendungen im Überblick

Telematikinfrastruktur-Anwendungen Zeitstrahl Zug

Das Versichertenstammdatenmanagement ist die Einführungsanwendung für die Telematikinfrastruktur (TI). Ihm sollen nach dem Willen von Politik und Gematik im Laufe des Jahres 2019 weitere folgen. Ziel ist die Etablierung der Elektronischen Patientenakte (ePA) zum 1. Januar 2021.

Die konsequente Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens durch die Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI) und die anschließende Einführung verschiedener TI-Anwendungen ist ein Stück in drei Akten.

Theoretisch läuft die Anbindung medizinischer Einrichtungen an die Telematikinfrastruktur (TI) seit 2017, praktisch hat sie 2018 erst so richtig Fahrt aufgenommen. Im Jahr 2019 soll sie nach dem Willen von Gesetzgeber und Gematik flächendeckend umgesetzt sein, um weitere TI-Anwendungen einführen zu können. Denn zum Jahresbeginn 2021 sollen auch Patienten* in den Datenaustausch einbezogen werden – über die bis dahin zu etablierenden Zugriffsmöglichkeiten auf die elektronische Patientenakte (ePA).

Wie aber sieht der Fahrplan genau aus? Wie geht es weiter, wenn die Konnektoren konnektiert, die Kartenlesegeräte ausgetauscht und die Prozesse für das laufende Versicherungsstammdatenmanagement etabliert sind? Dieser Beitrag gibt einen Überblick über den Stand der TI-Anwendungen:

Prolog: Die elektronische Gesundheitskarte und die darauf gespeicherten Versichertenstammdaten (VSD)

Auf jeder elektronischen Gesundheitskarte waren schon in der Vergangenheit die sogenannten Versichertenstammdaten gespeichert – das sind folgende Informationen:

Versichertenstammdatenmanagement (VSD) auf der eGK

Bis zur Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI) wurden die Stammdaten von dieser Karte in der Praxis ausschließlich abgerufen. Änderungen dieser Daten – beispielsweise nach einem Umzug eines Patienten oder einer Patientin – mussten der Versicherung gemeldet werden, damit diese dann eine neue Karte ausstellt und zuschickt. Eine Aktualisierung der Daten auf der Karte war nicht möglich.

I. Erster Akt – seit Sommer 2017: Anbindung aller medizinischen Einrichtungen an die Telematikinfrastruktur (TI) und Einführung des Versichertenstammdatenmanagements (VSDM) als erster TI-Anwendung

Das Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) ist das Pilotprojekt der Telematikinfrastruktur. Nach der Anbindung an die TI – also der Einbindung der TI-Konnektoren und dem Austausch aller Kartenlesegeräte – werden die auf der Karte gespeicherten Stammdaten beim Einlesen in der medizinischen Einrichtung an das Rechenzentrum der Krankenkasse übermittelt und mit den dort vorliegenden Informationen verglichen.

Vorteile des Versichertenstammdatenmanagements (VSDM)

Vorteile ergeben sich in erster Linie für die Krankenkassen. Liegen in den dortigen Rechenzentren aktuellere Informationen vor, können die Daten auf der Karte aktualisiert werden. Für die Kassen entfällt damit die Notwendigkeit der Produktion und des Versands neuer Karten.

Voraussetzung für den Datenaustausch ist der Anschluss an die Telematikinfrastruktur, der mit technischem und organisatorischen Aufwand verbunden ist. Diese Bemühungen schaffen – auch wenn sie zunächst als reine Belastungen wahrgenommen werden – die Grundlage dafür, dass Leistungserbringer und Patienten von den Vorteilen der TI-Anwendungen profitieren können, die auf das VSDM noch folgen werden.

Versichertenstammdatenmanagement (VSDM)

Sichere Übertragung der Versichertenstammdaten aus dem Rechenzentrum der Versicherung auf die elektronische Gesundheitskarte. Anschließend erfolgt die Übernahme in das Praxisverwaltungssystem (PVS)

Welchen Status hat die VSDM-Einführung?

VSDM-Einführung in den Praxen:

  • Niedergelassene Ärzte sollten eigentlich schon Mitte 2018 an die TI angeschlossen sein und dies über den ersten vollzogenen Versichertenstammdatenabgleich nachweisen. Denn ein solcher Abgleich ist nur nach der TI-Anbindung mit neuen Kartenlesegeräten und Konnektoren möglich.
  • Die Anbindungsfrist wurde mehrfach verschoben: zunächst auf den 31.12.2018, später auf den 30.06.2019.
  • Grund für die Verschiebungen waren Lieferschwierigkeiten der IT-Lieferanten. Bis ins vierte Quartal 2018 hinein gab es nur einen Lieferanten für Konnektoren, der die Zulassung der Gematik vorweisen konnte.
  • Um dem TI-Anbindungsprozess Tempo und Nachdruck zu verleihen, wurde die Einführungsfrist für Ärzte mit einer Sanktionsdrohung (Abzug von 1 Prozent der Erstattungssumme bei der Leistungsabrechnung) verbunden. Der Entwurf des Gesetzes für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation (Digitale Versorgung-Gesetz – DVG oder auch E-Health-Gesetz-II) vom Mai 2019 sieht ab März 2020 sogar eine Honorarkürzung von 2,5 Prozent vor. Das Gesetz soll zum Januar 2020 in Kraft treten, befindet sich allerdings noch im parlamentarischen Verfahren und ist noch nicht beschlossen.
  • Zum Jahresbeginn 2019 gilt diese Drohung für alle niedergelassenen Ärzte, die nicht bis zum 30.06. angebunden sind oder nachweisen können, ihre Gerätebestellung bis zum 30.03.2019 aufgegeben zu haben.
  • Die Kosten für TI-Ausstattung und den TI-Betrieb werden den Praxisinhabern und -inhaberinnen nach festgelegten Pauschalen erstattet.

TI-Anbindung von Kliniken:

  • Für Kliniken gab es bislang keine vorgeschriebene Frist zur Anbindung an die TI. Der Entwurf des „Digitale Versorgung-Gesetz“ (DVG bzw. E-Health-Gesetz-II, s.o.) vom Mai 2019 sieht allerdings eine Frist bis zum März 2021 vor.
  • Der Druck für Kliniken ergibt sich allerdings auch ohne gesetzliche Pflicht aus technischen Veränderungen:
    • Nur neue, TI-fähige Kartenlesegeräte ermöglichen die Nutzung der ab 2019 sukzessive zur Einführung vorgesehenen Anwendungen der Telematikinfrastruktur und der damit verbundenen Vorteile.
    • Nur die neuen eGK-Kartenlesegeräte sind in der Lage, sowohl die alte Krankenversichertenkarte (KVK) als auch die neue eGK auszulesen.
  • Handlungsbedarf bereits im ersten Quartal 2019 ergab sich für Kliniken nur in den Bereichen, in denen sie – z.B. über Ambulanzen und MVZ – bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) abrechnen.

TI-Anbindung von Apotheken:

  • Der oben angesprochene Entwurf des „Digitale Versorgung-Gesetz“ (DVG bzw. E-Health-Gesetz-II, s.o.) hält auch für Apotheken eine Frist zur TI-Anbindung bereit: März 2020.
  • Die Anbindung sämtlicher Akteure und Leistungserbringer im Gesundheitswesen ist nur logisch und konsequent. Ohne die Apotheken sind Anwendungen wie das eRezept oder der elektronische Medikationsplan nicht sinnvoll umsetzbar.

II. Zweiter Akt – 2019 bis 2020: Einführung weiterer TI-Anwendungen

Für die Jahre 2019 und 2020 ist die Einführung weiterer TI-Anwendungen vorgesehen, bevor zum 01.01.2021 alle Akteure im Gesundheitswesen dazu verpflichtet sind, die Nutzung der elektronischen Patientenakte (ePA) für die Patienten und Patientinnen zu ermöglichen.

Für den Hinterkopf: Als Planungsdatum für die elektronische Patientenakte ist der 1. Januar 2021 eher irreführend. Denn alle Voraussetzungen auf Seiten der Leistungserbringer müssen bereits bis zum Ende des Jahres 2020 geschaffen werden.

Um den Einführungsprozess der geplanten Anwendungen zu beschleunigen, wurde ein sogenanntes „marktoffenes Zulassungsverfahren“ eingeführt. Nach diesem Verfahren legt die Gematik die erforderlichen Spezifikationen und Zulassungsvoraussetzungen fest. Gemäß dieser Spezifikationen kann die Industrie Anwendungen entwickeln und bei der Gematik einreichen.

Und das sind die TI-Anwendungen, die noch vor der elektronischen Patientenakte eingeführt werden sollen:

2.1 Qualifizierte elektronische Signatur (QES)

Eine Anwendung, die für alle weiteren relevant sein wird, ist die qualifizierte elektronische Signatur (QES). Sie übernimmt im Rahmen des digitalen Informationsaustauschs die Funktion einer rechtssicheren Unterschrift. Die QES dient gleichzeitig der Verschlüsselung von medizinischen Dokumenten zum Schutz vor unberechtigter Einsichtnahme.

Diesen Einsatzzwecken entsprechend gelten für die qualifizierte elektronische Signatur die strengsten Auflagen, die im § 2 des ehemaligen Signaturgesetzes (SigG) für verschiedene Arten elektronischer Signaturen (z.B. einfache Signaturen, fortgeschrittene Signaturen) vorgesehen waren. Heute gilt die eIDAS-Verordnung bzw. das deutsche eIDAS-Durchführungsgesetz.

Qualifizierte elektronische Signatur (QES)

Die wichtigsten Sicherheitsanforderungen

  1. Eindeutige Identifizierung des Inhabers bzw. der Inhaberin der Unterschrift
    Die Signatur ist ausschließlich dem Signaturschlüssel-Inhaber oder der Inhaberin zugeordnet und ermöglicht dadurch eine eindeutige Identifizierung. Dies geschieht durch ein qualifiziertes Zertifikat und einen Zeitstempel.
  2. Transparenz über nachträgliche Änderungen
    Zudem ist die Signatur mit den Daten, auf die sie sich bezieht – zum Beispiel Medikationsdaten – so verknüpft, dass nachträgliche Veränderungen der Daten erkannt werden können.
  3. Nutzung einer Signaturerstellungseinheit (SSEE)
    Die Signatur wird mithilfe des neuen TI-fähigen Kartenlesegerätes erstellt, das als sogenannte Signaturerstellungseinheit (SSEE) fungiert.

Werden alle gesetzlich festgeschriebenen Anforderungen erfüllt, ersetzt die qualifizierte elektronische Signatur die schriftliche Signatur auf Papier.

Vorteile der qualifizierten elektronische Signatur

Der Vorteil für Behandelnde genauso wie für Behandelte: Mit der QES wird eine wichtige Voraussetzung für die sichere Verwendung und Übertragung medizinischer Daten – im Notfall, in der Praxis oder in der Apotheke – geschaffen. Die QES wird integraler Bestandteil aller weiteren TI-Anwendungen.

Welchen Status hat die Einführung der qualifizierten elektronischen Unterschrift?

  • Der aktuell erhältliche Konnektor ermöglicht bereits die Erstellung und Prüfung qualifizierter elektronischer Signaturen.
  • Die Gematik hat hierzu bereits unter der eIDAS-Verordnung eine Reihe von Signaturrichttlinien definiert. Diese beinhalten zum Beispiel Vorgaben zu Dokumententypkonformität, Schnittstellen sowie Verifizierung durch vordefinierte Parameter.
  • Um die QES nutzen zu können, wird der elektronische Heilberufsausweis (eHBA) für alle Ärzte und Ärztinnen zur Signatur der Arztbriefe gemäß § 291f SGB V benötigt. Die Anschaffung des elektronischen Heilberufsausweis ist (Stand Mai 2019) jedoch noch optional.

2.2 Notfalldatenmanagement (NFDM)

Das Notfalldatenmanagement gehört (gemeinsam mit dem elektronischen Medikationsplan) zu den ersten medizinischen Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte. Das Notfalldatenmanagement ist eine freiwillige Anwendung, über die es in Zukunft möglich sein wird, notfallrelevante Daten von Patientinnen und Patienten wie Medikation und Diagnosen auf der elektronischen Gesundheitskarte zu speichern.

Zusätzlich können „Persönliche Erklärungen“ wie Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht oder die Organspende-Erklärung auf der eGK abgelegt werden. Im Notfall ist zum Auslesen keine PIN-Eingabe nötig. Für den Zugriff ist allerdings der Heilberufsausweis (HBA) erforderlich. Folgende Informationen können gespeichert werden:

Notfalldatenmanagement (NFDM) auf der eGK

Vorteile des Notfalldatenmanagements (NFDM) für Ärzte, Notfallteams und Patienten

Bei Notarzteinsätzen kann die präklinische Versorgung durch den Rettungsdienst auf Grundlage der abgerufenen Notfalldaten erfolgen. Auch bei einer ungeplanten Patientenaufnahme in der Notaufnahme eines Krankenhauses oder einer ungeplanten Notfallversorgung im ambulanten Versorgungssektor können die gespeicherten Notfalldaten Diagnosen beschleunigen, Fehlbehandlungen und medikationen verhindern und so letztlich Leben retten.

Patientinnen und Patienten werden nicht nur besser behandelt, sie können sich zudem darauf verlassen, dass ihre persönlichen Wünsche auch im Notfall eingehalten und Angehörige informiert werden.

Für die Anschaffung und Installation der benötigten Software sowie für die Kosten, die für den Betrieb anfallen, sollen Ärzte und Ärztinnen vergütet werden.

Welchen Status hat das Notfalldatenmanagement (NFDM)?

  • Die technischen und organisatorischen Eckpunkte des Notfalldatenmanagements stehen fest. Die aktuelle Gematik-Spezifikation (Fassung 1.4) wurde im Oktober 2018 veröffentlicht.
  • Durch die zeitliche Verschiebung der TI-Anbindung auf das zweite Quartal in 2019 verzögert sich die Einführung des Notfalldatenmanagements.
  • Aktuell (Stand Mai 2019) soll die Einführung des elektronischen Medikationsplans sowie der Notfalldatenspeicherung bis Ende 2019 realisiert werden.

2.3. Elektronischer Medikationsplan (eMP)

Bereits seit Oktober 2016 haben Patientinnen und Patienten Anspruch auf einen sogenannten bundeseinheitlichen Medikationsplan. Dieser enthält sämtliche verschreibungspflichtigen Medikamente, die der- oder diejenige einnimmt, samt Wirkstoff, Dosierung, Einnahmegrund und sonstigen Hinweisen zur Einnahme.

Zusätzlich werden Medikamente aufgeführt, die die Person im Rahmen der „Selbstmedikation“ einnimmt. Den bundeseinheitlichen Medikationsplan gibt es in Papierform. Auf dem Papier ist zusätzlich ein Barcode gedruckt, der die Informationen in digitaler Form enthält und durch Ärzte und Ärztinnen wie auch Apothekerinnen und Apotheker gelesen und aktualisiert werden kann.

Elektronischer Medikationsplan (eMP) auf der eGK

Der elektronische Medikationsplan ist dementsprechend die digitale Weiterentwicklung eines bereits vorhandenen Konzepts. Die gleichen Informationen sollen in Zukunft auf dem Chip der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) gespeichert werden. Die elektronische Speicherung des Medikationsplans auf der eGK ist freiwillig – der Anspruch auf einen Medikationsplan in Papierform besteht weiterhin.

Während jedoch bisher die Hausärztin oder der für die Koordination der Medikation verantwortliche Facharzt für die Aktualisierung des Medikationsplans zuständig war, werden nach der Einführung des elektronischen Medikationsplans auch andere Fachärztinnen oder Apotheker zur Aktualisierung der Daten verpflichtet sein – jedenfalls dann, wenn der Patient oder die Patientin den Zugriff gewährt.

Vorteile des elektronischen Medikationsplans (eMP)

Der Nutzen für Patientinnen und Patienten lässt sich aus den Vorteilen des bereits existierenden bundeseinheitlichen Medikationsplans ableiten: Es können schädliche Wechselwirkungen vermieden werden. Mediziner in Kliniken, Hausärztinnen, Fachärzte oder Apothekerinnen können auf einen Blick sehen, welche Medikamente in welcher Dosis verordnet wurden.

Die Gefahr von Falschinformationen verringert sich, da sich Ärztinnen und Apotheker nicht mehr auf die Erinnerung des Patienten verlassen müssen. Gerade bei der Einnahme mehrerer Medikamente oder bei erhöhter Vergesslichkeit kann es sonst schnell zu Fehleinnahmen oder Doppelmedikation kommen.

Ähnlich wie beim Notfalldatenmanagement ermöglicht die digitale Speicherung der Medikationsdaten in Notfällen sofort einen Überblick über die Einnahme von Medikamenten, ohne zunächst den Hausarzt oder die Hausärztin kontaktieren zu müssen. Durch die Speicherung des Medikationsplans auf der eGK sind die Daten bei jedem Arzt- oder Apothekenbesuch sowie in Notfällen verfügbar.

Welchen Status hat der elektronische Medikationsplan?

  • Seit Oktober 2016 haben Patientinnen und Patienten unter bestimmten Voraussetzungen einen Anspruch auf einen Medikationsplan, der seit August 2017 bundeseinheitlich sein muss – diesen gibt es bisher nur auf Papier.
  • Auch hier gilt: durch die zeitliche Verschiebung der TI-Anbindung und der Bereitstellung von eGKs konnte die ursprünglich angesetzte Frist, die die Speicherung des Medikationsplans auf der eGK ab dem 01. Januar 2018 vorsah, nicht eingehalten werden.
  • Das Bundesgesundheitsministerium geht davon aus, dass die Industrie ab Mitte 2019 mit den ersten Software-Produkten an den Markt gehen wird.
  • Nach bisherigem Stand soll die Einführung des elektronischen Medikationsplans sowie der Notfalldatenspeicherung Ende 2019 realisiert werden.

2.4 Sichere Kommunikation zwischen Leistungserbringern (KOM-LE)

Sie wird die sichere digitale Kommunikation der Leistungserbringer und Leistungserbringerinnen untereinander sowie mit Institutionen des Gesundheitswesens ermöglichen. Die Nutzung dieses Kommunikationsweges ist freiwillig. Auch Arztbriefe, Entlassungsbriefe, Befunde und Untersuchungsergebnisse wie Röntgenbilder sollen darüber digital verschickt werden können. Betroffene Patienten und Patientinnen müssen in diesem Fall stets zustimmen. Sensible medizinische Dokumente bedürfen immer einer Verifizierung mittels Unterschrift – auch online.

Um den KOM-LE-Dienst nutzen zu können, brauchen Ärztinnen sowie andere Leistungserbringer einen Heilberufsausweis und müssen sich bei einem von der Gematik zugelassenen KOM-LE-Anbieter registrieren. Nach den Spezifikationen der Gematik wird jeder KOM-LE-Dienst in das bestehende Praxisverwaltungs- beziehungsweise Krankenhausinformationssystem integriert. Dies vereinfacht den Austausch von Daten, da diese direkt aus dem gewohnten System versandt und empfangen werden können. KOM-LE ermöglicht so den sicheren Austausch von E-Mails und Dokumenten innerhalb der Telematikinfrastruktur.

Sichere Kommunikation der Leistungserbringer (KOM-LE)

Vorteile der sicheren Kommunikation zwischen den Leistungserbringern

Die KOM-LE bringt einiges an Vorteilen mit sich. Durch den vereinfachten intersektionalen Informationsaustausch wird sich in der Praxis der Alltag aller Beteiligten erleichtern. Durch die Ende-zu-Ende Verschlüsselung der versandten Daten sowie die elektronische Signatur sind Authentizität und Sicherheit der medizinischen Daten sichergestellt.

Gerade bei zeitkritischen Informationen läuft die Übertragung von Daten über den digitalen Weg deutlich schneller ab als auf dem Postweg oder durch persönliche Überbringung durch den Patienten oder die Patientin. Um das Ausmaß zu verdeutlichen: Mithilfe der verschlüsselten Kommunikation könnten in Zukunft die jährlich circa 150 Millionen verfassten Arztbriefe digital verschickt werden.

Welchen Status hat die Anwendung „Kommunikation Leistungserbringer“?

  • Die Spezifikationen für das „Sichere Übermittlungsverfahren (KOM-LE) samt der Produkttypen „Fachdienst KOM-LE“ und „Clientmodul“ KOM-LE hat die Gematik im Mai 2018 festgelegt und veröffentlicht. Das Dokumentenpaket für den Online-Produktivbetrieb bildet die Grundlage der laufenden und anstehenden Zulassungsverfahren.
  • Gleichzeitig stellte die Gematik das Feldtestkonzept KOM-LE vor.
  • Es ist vorgesehen, dass potentielle KOM-LE Anbieter zunächst von der Gematik zugelassen werden, um ihr Produkt dann in einem Feldtest mit 50 Leistungserbringerinstituten für Praxen, einem Krankenhaus oder vier Kassenzahnärztlichen Vereinigungen unter Beweis zu stellen.
  • Im Februar 2019 hatte laut KBV noch kein Anbieter das Zulassungsverfahren für KOM-LE begonnen.

2.5 Elektronisches Rezept (eRezept)

Vorteile des eRezepts

Das elektronische Rezept wird es ermöglichen, dass Menschen nicht im Wartezimmer einer Praxis platznehmen müssen, nur um ein Rezept abzuholen, um dann zur Apotheke zu gehen. Wenn mit der Telemedizin künftig Ferndiagnosen per Videosprechstunde möglich werden, muss auch ein Rezept digital ausstell- und versendbar sein.

Was ist der Status mit Blick auf die Fernverschreibung?

Im ersten E-Health-Gesetz von 2015 war das eRezept allerdings noch nicht als Anwendung der elektronischen Gesundheitskarte angelegt, die gesammelt oben in der Zuggrafik abgebildet sind. Wenn es nach dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geht, könnte die digitale Fernverschreibung nun aber zügig kommen. Im Referentenentwurf zum „Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung“ (GSAV) sind die Grundlagen gelegt. Verbände von Ärzten, Apotheken und Krankenkassen beraten die Rahmenbedingungen nun im Detail. Ziel ist die Einführung des eRezepts im Jahr 2020.

III. Dritter Akt – bis 2021: Einführung der elektronische Patientenakte (ePA)

Spätestens bis zum 01.01.2021 müssen alle privaten und gesetzlichen Kassen, ihren Versicherten eine elektronische Patientenakte (ePA) anbieten. Diese Akte ist eine sektorenübergreifende digitale Dokumentensammlung unter der Kontrolle der Versicherten. Während die Informationen der Krankenakten bislang hauptsächlich in der Obhut der Arztpraxen, Krankenhäuser und Krankenversicherungen lagen, sollen nun die Versicherten selbst in die Lage versetzt werden, den Überblick und die Kontrolle über die eigene Akte zu bekommen.

Elektronische Patientenakte (ePA)

Wenn von der oder dem Versicherten gewünscht, kann die Erkrankungs- und Behandlungshistorie sowie die persönlichen Erklärungen eines ganzen Lebens in der ePA dokumentiert werden. Jede Patientin und jeder Patient hat selbst die Entscheidungshoheit darüber, was in die eigene Patientenakte aufgenommen werden soll und welche Institutionen sich die Inhalte zu welchem Zweck nutzbar machen dürfen. In einem Primärspeicher können die Versicherten zudem eigene Daten – zum Beispiel die von Wearables erhobenen Vitalitäts- und Fitnessdaten – ergänzen und dem medizinischen Personal zur Verfügung stellen.

Die Versicherten werden zwischen den Akten verschiedener Anbieter wählen können. Um die Einheitlichkeit und Interoperabilität zu gewährleisten, müssen die Anbieter klare Auflagen erfüllen und ein Zertifikationsverfahren durchlaufen.

Anders als die zuvor vorgestellten medizinischen Anwendungen des Notfalldatenmanagements oder des elektronischen Medikationsplans sollen die Daten der elektronischen Patientenakte nicht auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden, sondern auf einem Server des vom Patienten oder der Patientin gewählten Betreibers liegen.

Auf diese Daten lässt sich dann ausschließlich mit der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) und dem Heilberufsausweis (eHBA) zugreifen. Ärzte und Ärztinnen können nur nach eindeutiger Bestätigung durch den Patienten oder die Patientin auf die Akte zugreifen – ein Zugriff durch den Betreiber soll damit ausgeschlossen sein.

Einige Krankenkassen haben bereits begonnen, ihren Versicherten Vorläufermodelle für die Patientenakte anzubieten. Da die Gematik die Spezifikationen allerdings erst Ende des Jahres 2018 veröffentlicht hat, sind diese Vorläufer noch nicht offiziell zugelassen und deren Einhaltung der Anforderungen an Datensicherheit, definierte Formate und Interoperabilität ist nicht gesichert.

Vorteile der elektronischen Patientenakte

Die Vorteile der elektronischen Gesundheitsakte sind sowohl auf Patientenseite als auch für Leistungserbringer zahlreich. Eingespeiste Daten lassen sich automatisch aktualisieren, so dass alle behandelnden und berechtigten Ärztinnen und Ärzte sowie die Patientinnen und Patienten selbst zu jeder Zeit Zugriff auf aktuellste Informationen haben.

Diese sektoren- und fallübergreifende Dokumentation ermöglicht eine lückenlose Behandlungshistorie, die Doppeluntersuchungen vermeiden hilft, Zeit spart und im Idealfall den Behandlungsprozess von der Diagnose bis zur Therapie verbessert.

Welchen Status hat die elektronische Patientenakte?

  • Ende des Jahres 2018 hat die Gematik die Spezifikationen für die elektronische Patientenakte veröffentlicht.
  • Bereits zuvor haben sich Krankenkassen zusammengeschlossen und Anwendungen auf den Markt gebracht, die jedoch nun an die Spezifikationen der Gematik angepasst werden müssen.
  • ePA-Anwendungen müssen jetzt genau wie ihre Schwesteranwendungen zunächst die technischen wie organisatorischen Bedingungen der Gematik erfüllen, um für einen Feldtest zugelassen zu werden.
  • Es ist geplant, dass Krankenkassen ihren Versicherten bis spätestens zum 01.01.2021 eine elektronische Patientenakte anbieten müssen.

 

* Wir verwenden die männlichen und weiblichen Berufs- und Rollenbeschreibungen abwechselnd, damit beide Geschlechter auch in der angewandten Sprache gleichsam sichtbar werden. Unsere Gründe dafür haben wir hier näher ausgeführt.

 

Stand: Mai 2019

Schritte mit zwei Möglichkeiten © iStock/gustavofrazao
Krankenhaus der zwei Geschwindigkeiten? – Was der 31. März 2019 für die TI-Anbindung von Kliniken bedeutet

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