[Interview: Marc Raschke] Digitalisierung ist kein reines IT-Thema

Marc Raschke, Leiter Unternehmenskommunikation am Klinikum Dortmund, Gründer des Think Tank Digitalisierung

© Marc Raschke

Das Klinikum Dortmund hat einen Think Tank „Digitalisierung” gegründet. Experten aus unterschiedlichen Bereichen des Hauses wollen das Thema vorantreiben. Marc Raschke, Leiter Unternehmenskommunikation des Klinikums, gibt Auskunft über Hintergründe und Ziele.

1. In vielen Kliniken wird das Thema Digitalisierung verdrängt oder gern mal in Richtung IT geschoben. Wie kam es dazu, dass Sie den ressortübergreifenden Think Tank ins Leben riefen?

Wir hatten Mitte Februar eine Führungskräfte-Tagung des Klinikums Dortmund mit leitenden Ärzten, Pflegeexperten und Verwaltungsspitzen. Dort wurde von vielen Seiten vorgetragen, dass Digitalisierung eben genau das nicht ist, was Sie da beschreiben: nicht bloß ein Thema der IT, sondern eine Entwicklung, die uns alle betrifft. Wir wollen deshalb eben nicht die Hände in den Schoß legen und zusehen, was da mit uns passiert. Mit der Idee des Think Tanks haben wir dann ein Forum geschaffen, in dem sich jeder Interessierte im Klinikum Dortmund einbringen kann. Zwanglos, aber nicht ideenlos. Zudem soll der Think Tank eine niederschwellige Anknüpfungsstelle zur Außenwelt darstellen, wenn etwa Startups einen Kontakt zu einer Klinik suchen. Da mauern ja viele Krankenhäuser leider immer noch.

2. Mit welchen Themen werden Sie sich zuerst beschäftigen?

Wir fangen ja im Haus nicht bei null an, was Digitalisierung angeht. Deshalb werden die bestehenden Themen wie Virtuelle Realität, aber auch digitale Anwendungen zur Patienteninformation oder zur Optimierung des Zugriffs von Patientendaten natürlich weiterdenken. Aber wir sind grundsätzlich offen für Themenideen von außen – als Partner auf Augenhöhe z.B. bei der Entwicklung und Ausgestaltung neuer Ideen. Wobei ich gleich sagen möchte: Vertriebler sind falsch, wenn sie unseren Think Tank anschreiben.

3. Welche Rolle spielt dabei die Einführung der Telematikinfrastruktur?

Das ist natürlich ein wesentlicher Treiber der Digitalisierung im Gesundheitswesen, aber natürlich auch ein Mega-Projekt, das unser Think Tank maximal als teilnehmender Beobachter begleiten kann. Uns geht es im Think Tank eher um Projekte, die hands on angelegt und damit also relativ leicht umsetzbar sind.

Marc Raschke Virtual Reality VR Gurt

© Marc Raschke mit VR-Brille und -Gurt

4. Welche konkreten Ziele haben Sie definiert?

Wir haben erkannt, dass viele neue Ideen von Startups oft daran scheitern, dass sie keine Entwicklung-Partner im Krankenhaus-Bereich finden. Dies möchten wir gern ändern, wobei wir inhaltlich offen sind. Uns ist der Austausch wichtig. Aber wie heißt es auch so schön: Digitalisierung ist kein Ziel, sondern ein Weg. Zudem wird gerade an verschiedenen Stellen im Haus bereits an digitalen Lösungen gearbeitet.

5. Gab es schon Aha-Erlebnisse, Erkenntnisse? Was haben Sie oder andere Beteiligte bislang schon aus dem Zusammenwirken gelernt?

Das erste Aha-Erlebnis: Vertriebler können ganz schön nerven (lacht). Im Ernst: Einige Vertriebler von vermeintlichen Gesundheitslösungen versuchen relativ penetrant, sich an unseren Think Tank heranzuschmeißen. Das ist ziemlich nervig und wird von uns inzwischen auch kategorisch abgeblockt. Wir wollen keine fertigen Produkte und auch nichts kaufen, sondern mitwirken und uns darin schulen, den Blick auf die digitalen Veränderungen zu schärfen. Zudem haben wir bereits festgestellt, dass der Wissensstand und der digitale Drive im Haus sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. Das zu verändern, wird eine Mammutaufgabe sein, bei der der Think Tank aber nur ein „Player“ im Geschehen ist.

https://www.klinikumdo.de/thinktank

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