Telematikinfrastruktur für Apotheken: Fristen, Kosten, Hintergründe

Apothekerin mit Tablet

© alvarez iStock

Jetzt wird es ernst. Auch die knapp 20.000 Apotheken Deutschlands müssen sich an die Telematikinfrastruktur (TI) anschließen lassen. Am 30.09.2020 soll es laut Kabinettsentwurf zum „Digitale-Versorgung-Gesetz” (DGV) soweit sein. Spätestens dann müssen auch Apotheken das sichere Gesundheitsnetzwerk für die elektronische Gesundheitskarte nutzen.

Mehr Aufschub als bis zum 30.09.2020 gibt es nicht

Im ersten DGV-Entwurf war noch der 31.03.2020 als Termin vorgesehen. Doch die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) intervenierte erfolgreich. Begründung: Man ist auf Hard- und Software-Hersteller angewiesen, deren Produkte in vielen Fällen noch auf ihre Zulassung warten.

„Insbesondere vor dem Hintergrund fehlender zugelassener eHealth-Konnektoren, deren Bereitstellung durch den ersten Anbieter frühestens im ersten Quartal 2020 erwartet wird, ist die Fristsetzung zum 31. März 2020 lediglich für den Start eines flächendeckenden Rollouts haltbar. Auf Basis einer frühzeitigen Bereitstellung von eHealth-Konnektoren durch weitere Anbieter und der notwendigen Zeiträume für die technische Implementierung von Komponenten in den Apotheken ist eine flächendeckende Anbindung von Apotheken an die Telematikinfrastruktur zum 31. Dezember 2020 realistisch und möglich“,
heißt es in der ABDA-Stellungnahme zum DVG-Referentenentwurf.

Man traf sich in der Mitte: Apotheker und Apothekerinnen sollen die TI-Anbindung bis zum 30.09.2020 vollzogen haben. Schließlich „wird den Apotheken lediglich eine Frist für den ohnehin schon verpflichtenden Anschluss an die Telematikinfrastruktur gesetzt. Zusätzlicher Erfüllungsaufwand entsteht dadurch nicht“, heißt es im Kabinettsentwurf. Sobald die Komponenten zugelassen sind, sollte bestellt werden, um den Zeitrahmen einzuhalten.

Welche Komponenten sind für die Anbindung einer Apotheke an die Telematikinfrastruktur notwendig?

Die Mindestausstattung, um eine Apotheke an die TI anzuschließen, umfasst diese Komponenten:

  • Einen eHealth-Konnektor plus die dazugehörige Gerätekarte (gSMC-K-Karte) – entweder vor Ort in der Apotheke oder in einem Rechenzentrum (siehe „TI as a Service“).
  • Ein Kartenlesegerät (eHealth-Kartenterminal, KT) plus die dazugehörige Gerätekarte (gSMC-KT-Karte).
  • Einen VPN-Zugangsdienst, um die Verbindung zwischen den Geräten und der Telematikinfrastruktur abgeschirmt vom normalen Internetverkehr herzustellen.
  • Um Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) über die TI nutzen zu können, brauchen Apothekerinnen und Apotheker darüber hinaus einen Heilberufsausweis für den Apotheker oder die Apothekerin (HBA-Karte).
  • Auch die Apotheke selbst muss identifiziert werden können. Das geschieht über einen Institutionenausweis für die Apotheke. Analog zum Praxisausweis bei Ärzten wird diese SMC-B-Karte auch Apothekenausweis genannt. Mit dieser Karte erhalten auch andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Apotheke Zugriff auf bestimmte Daten der elektronischen Gesundheitskarte. Der Einblick in die Daten ist allerdings weniger umfassend und muss zudem vorab vom Apotheker oder der Apothekerin über den HBA-Ausweis freigegeben werden.

Die Karten für SMC-B und HBA-Karten werden von den Apothekerkammern der Länder ausgegeben. Auch die Bundesdruckerei ist zugelassener Anbieter von SMC-B.

Die Gematik hat für die Dienstleister eine Checkliste bereitgestellt, die vor Ort die Installation der Komponenten übernehmen.

Welche Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte sind für Apotheken relevant?

Elektronischer Medikationsplan (eMP)

Die Finanzierungsvereinbarung zwischen DAV und GKV-Spitzenverband führt unter den nutzungsbezogenen Zuschlägen die Nutzung von Daten im Rahmen des elektronischen Medikationsplan (eMP) auf, der zur Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) beitragen soll.

2016 wurde in Deutschland mit dem E-Health-Gesetz der Medikationsplan aus Papier eingeführt, auf den gesetzlich Versicherte einen Anspruch haben. Dieser wird hauptsächlich in den Arztpraxen erstellt, aber auch in Apotheken aktualisiert, sofern Patienten und Patientinnen die Einwilligung dazu geben. Im E-Health-Gesetz war bereits der digitale Nachfolger des Medikationsplans angedacht, der mit der Telematikinfrastruktur ursprünglich schon 2018 kommen sollte.

Elektronisches Rezept (E-Rezept)

Wann das E-Rezept eingeführt wird, steht noch nicht fest. Auch bei der konkreten Umsetzung ist noch vieles im Fluss. Dass es kommen wird, ist jedoch sicher. Und dann sind natürlich auch die Apotheken betroffen. Schließlich sind sie der klassische Ort, an dem Patientinnen und Patienten ihre Rezepte, die sie aus den Arztpraxen bekommen haben, einlösen.

In einigen Regionen wird derzeit schon das E-Rezept in der Praxis getestet. Wenn die digitale Verordnung flächendeckend eingeführt wird, wird sie das Papierrezept jedoch nicht nahtlos ablösen. Zunächst sollten sich alle Beteiligten auf den Parallelbetrieb von Papier- und Digitalrezepten einstellen.

Qualifizierte elektronische Signatur (QES)

Der Heilberufsausweis enthält eine qualifizierte elektronische Signatur (QES). Damit können einerseits Ärzte und Ärztinnen Rezepte signieren. Aber auch Apothekerinnen und Apotheker verfügen damit über eine rechtssichere digitale Unterschrift.

Sichere Kommunikation zwischen Leistungserbringern (KOM-LE)

Mit dieser Anwendung werden sich Leistungserbringer wie Therapeuten, Ärztinnen und Apotheker auf sicherem Wege digital über die Telematikinfrastruktur austauschen und medizinische Dokumente versenden können.

Wann kommt welche Anwendung und was sind die Hintergründe? Erfahren Sie hier mehr dazu.

Kosten und Finanzierung

Gut 3.600 Euro werden jeder angeschlossenen Apotheke nach dem ersten Quartal der Anbindung an die Telematikinfrastruktur mindestens erstattet. Das beschlossen der Deutsche Apothekerverband (DAV) und der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) Anfang 2019 in ihrer Finanzierungsvereinbarung („Finanzierung und Erstattung der bei den Apotheken entstehenden Kosten im Rahmen der Einführung und des Betriebes der Telematikinfrastruktur sowie zur Abbildung nutzungsbezogener Zuschläge“).

Die Erstattungspauschalen der Finanzierungsvereinbarung im Einzelnen

Folgende Kosten für den TI-Anschluss der Apotheken werden aus den Mitteln der gesetzlichen Krankenkassen erstattet.

PauschaleInhaltZeitrahmenBetrag in €
ErstausstattungeHealth-Konnektor samt Konnektorkarte (gSMC-K), zwei stationäre Kartenlesegeräte (eHealth-Kartenterminals, KT) mit jeweils einer Karte (gSMC-KT) pro Terminaleinmalig1.362,00
AufwandApothekenpauschale für installationsbedingte Ausfallzeiten und sonstige Abwicklungsaufwändeeinmalig384,00
TI-Startpauschale für Installation und Schulungeinmalig896,00
Mehrbedarf*jedes zusätzlich notwendige* Kartenlesegerät (Terminal)einmalig450,00
BetriebskostenApothekenausweis (SMC-B-Karte)alle fünf Jahre378,15
Heilberufsausweis (HBA-Karte)alle fünf Jahre449,00
VPN-Zugangsdienst, Kosten für Betrieb, Konfiguration und Wartung der Konnektoren (Router) samt Karte, Kartenlesegeräte (Terminals) und Gerätekartenquartalsweise210,00
FeldtestförderungTeilnahme an Feldtest (Apotheken)einmalig3.927,00
Teilnahme an Feldtest (Hersteller)einmalig10.000,00

Die Pauschalen sind umsatzsteuerfrei. Mobile Kartenterminals werden aktuell noch nicht erstattet.

* Die Zusatzausstattung richtet sich nach den Packungsabgabemengen verschreibungspflichtiger Humanarzneimittel, die zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung oder sonstiger Kostenträger abgeben werden und der Preisbindung der Arzneimittelpreisverordnung unterliegen (GKVRx):

  • Ab 20.000 abgegebenen Packungen werden 2 zusätzliche stationäre Terminals erstattet (insgesamt 4),
  • ab 40.000 Packungen 4 zusätzliche (insgesamt 6).
  • In Ausnahmefällen können ab 80.000 Packungen bis zu maximal 10 Terminals erstattet werden.

Als Abrechnungsstelle fungiert der Fonds zur Förderung der Sicherstellung des Notdienstes von Apotheken (Nacht- und Notdienstfonds, NNF). Somit haben Inhaber und Inhaberinnen von Apotheken keinen direkten Zahlungsanspruch gegenüber den gesetzlichen Krankenkassen oder dem GKV-Spitzenverband, sondern gegenüber dem NNF als Abrechnungsstelle.

Vergleich TI-Finanzierung Apotheken vs. Praxen

Die Erstattungspauschalen für Apotheken sind ähnlich gelagert wie die der Arztpraxen, die sich schon Mitte 2019 an die Telematikinfrastruktur anschließen mussten. Rein technisch gibt es zwischen den Komponenten – zumindest nach entsprechenden Updates – keine Unterschiede, weshalb die Anbieter am Markt vornehmlich nach den Pauschalen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) kalkulieren.

„Richtig ist aber, dass die Apotheken von den Krankenkassen bei einem im Vergleich höheren Hardware-Bedarf eine geringere Refinanzierung erhalten als die Ärzte oder Zahnärzte“, stellt Uwe Eibich fest, Vorstandsmitglied der CompuGroup Medical.

Eibich spielt darauf an, dass für Apotheken ein Mindestbedarf von zwei stationären Kartenlesegeräten festgesetzt wurde, während für Arztpraxen in der Grundausstattung lediglich ein stationäres Kartenterminal (KT) vorgesehen ist.

Pauschalen fürZeitrahmenBetrag in € für ApothekenBetrag in € für Arztpraxen
Konnektor und stationäres Kartenterminal (bei Apotheken zwei statt einem stationären KT)einmalig1.362,001.982,00
ab Jan 2020
1.549,00
Installation, Schulung, Ausfallzeiteneinmalig1.280,00900,00
zusätzliches Terminaleinmalig450,00435,00
ab Okt. 2019 535,00
SMC-B
(bei Arztpraxen 23,25 pro Quartal)
alle fünf Jahre378,15465,00
HBA
(bei Arztpraxen 11,63 pro Quartal)
alle fünf Jahre449,00232,60
VPN-Zugangsdienst, Wartung Konnektor etc.quartalsweise210,00248,00

Quellen: ABDA-Refinanzierungsvereinbarung, Finanzierungsübersicht der KBV, Einigung zur Nachverhandlung zwischen KBV und Krankenkassen.

Fördergelder nur für zugelassene Geräte?

Anbieter von Telematikinfrastruktur-Hardware raten zur frühzeitigen Bestellung von Geräten, auch wenn sie erst durch ein künftiges Update zu einem zugelassenen E-Health-Konnektor werden, damit der Zeitrahmen samt Auslieferung und Anschluss vor Ort rechtzeitig gelingen kann. Der Deutsche Apothekerverband stellt aber klar, dass Fördergelder erst für zugelassene Geräte fließen können. Die Konnektoren sind daher frühestens nach einem Update förderfähig.

„Und so lautet die Empfehlung des DAV an die Apotheker: Abwarten bis es die Konnektoren mit entsprechender Zulassung gibt, dann ist der GKV-Zuschuss sicher.“
Deutsche Apotheker Zeitung

Eine Alternative zur Installation des eHealth-Konnektors vor Ort in der Apotheke stellt das Hosting im Rechenzentrum mit Servicevertrag (TI as a Service) dar.

TI as a Service: Hosting im Rechenzentrum statt Konnektoren vor Ort in der Apotheke

Da über die Telematikinfrastruktur sensible Gesundheitsdaten transportiert werden, bestehen beim Aufbau und Zugang zu den TI-Komponenten besondere Sicherheitsanforderungen und Dokumentationspflichten. Während Kliniken häufig noch über eigens abgeschirmte Serverräume verfügen, stellt die Anbindung für kleinere Praxen oder Apotheken eine andere Herausforderung dar.

Der Konnektor-Service von Akquinet bietet hier eine Hosting-Alternative. Dabei müssen Apotheker und Apothekerinnen weder Geräte noch Software kaufen. Die Konnektoren stehen nicht in der Apotheke, sondern in einem deutschen Rechenzentrum, das vom TÜV zertifiziert und durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) geprüft ist. Somit braucht es vor Ort weder einen gesicherten Bereich, noch muss Technikpersonal zur Wartung des Konnektors ins Geschäft kommen. Nur die Kartenlesegeräte verbleiben in der Apotheke. Die PIN-Eingabe wird über eine verschlüsselte Verbindung per VPN (virtuelles privates Netzwerk) an den Konnektor im Rechenzentrum gegeben.

Der Dienstleister Akquinet richtet sämtliche Geräte und Verbindungen an die Bestandssoftware ein, kümmert sich im Rahmen eines Servicevertrags um den Betrieb und die Sicherheit und tauscht defekte Geräte unkompliziert aus. Während das Personal in einer Apotheke, in der ein Konnektor physisch steht, häufiger zur Wiedereingabe der PIN aufgefordert wird, wenn die Verbindung zwischen Kartenlesegerät und Konnektor abreißt, wird sie bei der Lösung mit Konnektor im Rechenzentrum automatisiert wiederhergestellt.

Stand: 12.09.2019

Diva
Telematikinfrastruktur: Wenn die Arbeit mit dem Kartenlesegerät zum Umgang mit der Diva wird

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